Einerseits hat die Propaganda maßgeblich zur Macht und Akzeptanz der Nationalsozialisten in der Bevölkerung beigetragen. Man nutzt geschickt Massenveranstaltungen, um Hitler als Erlöser und Heilsbringer zu inszenieren. In einer Zeit ohne Social Media, Internet oder Musik-Festivals entfaltet das eine große Anziehungskraft. Wer nicht vor Ort ist, sitzt zuhause am „Volksempfänger“ und kann die Veranstaltung übers Radio mitverfolgen oder sieht die u.a. von Leni Riefenstahl ästhetisch inszenierten Bilder der Ereignisse im Kino. Das soll die Menschen einschwören auf das Regime, auf die Einheit des Volkes und auf Adolf Hitler. Der sogenannte „Führer“ wird allgegenwärtig. Es entsteht ein „Führer-Kult“, und die allgegenwärtige Parole lautet: Ein Volk, ein Reich, ein Führer.
Massenveranstaltungen sind aber nur ein Teil der Propaganda. Trotzdem sind nicht alle Deutschen damals glühende Nationalsozialisten. Dennoch stützen sie das System, indem sie „nur“ mitmachen, denn für die Nationalsozialisten reicht es, wenn die Mehrheit der Menschen nicht aufbegehrt. Mitzumachen und dazugehören zu wollen, ist zunächst nicht negativ behaftet, denn eine Gruppe bietet Sicherheit. Dafür büßen wir aber auch an Freiheit ein, und Personen außerhalb der Gruppe werden häufig ausgeschlossen. In Hitlers Deutschland bedeutet das die Ausgrenzung, Enteignung, Verfolgung und Ermordung von politischen Gegnern, Minderheiten und vor allem Menschen jüdischen Glaubens.
Aber hätten auch wir mitgemacht? Um das zu beantworten, macht Terra Xplore-Wissenschaftsjournalistin Jasmina Neudecker zusammen mit der Sozialpsychologin Juliane Degner den menschlichen Drang zu gruppenkonformem Verhalten in einem Experiment greifbar.